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natureOffice: Macht Report Mainz Front gegen FSC?

Was wir am Montag Abend in der Sendung Report Mainz zu sehen bekamen, konnte einem regelrecht den Atem verschlagen. Da wird uns von den Reportern Manfred Ladwig und Thomas Reutter, unter dem Deckmantel des Öko-Siegels FSC, von Abholzung und Kahlschlag ganzer Landstriche berichtet. Wir sehen in den Bildeinspielungen schwere Waldmaschinen, die scheinbar die größten Bäume wie Streichhölzer packen, entzweigen und in transportgerechte Stücke zersägen. Der Waldexperte Herr Prof. Andreas Schulte von der Uni Münster, spricht von der Zerstörung ganzer Ökosysteme. 

Ein ehemaliger Arbeiter der in dem Beitrag beschuldigten Papierfabrik Stora Enso, der in Schweden heute für die staatliche Forstbehörde tätig ist, wird interviewt und nach seiner privaten Einschätzung befragt. Am Ende des Berichtes werden die Bilder aus Schweden dem Geschäftsführer des FSC Deutschland, Herrn Dr. Uwe Sayer, zum Kommentar und zur Stellungnahme vorgelegt.

Fragwürdiges Vorgehen gegen den FSC?

Abgesehen davon, dass es aus unserer Sicht weder fair, noch informativ, noch von guter journalistischer Arbeit zeugt, einen Vertreter des FSC lediglich in seinen Denk- und Sprechpausen zu zeigen und ihm nicht den nötigen Raum in der Reportage einzuräumen um auf diese schweren Vorwürfe zu reagieren, müssen wir an dieser Stelle konstatieren, dass aus unserer Sicht weder Herr Prof. Andreas Schulte, noch die Reporter Ladwig und Reutter, sich eingehend mit dem FSC Siegel bzw. mit seiner Funktionsweise auseinander gesetzt zu haben scheinen. Wäre dies der Fall, wüssten zitierte Herren, dass nicht alle Papierprodukte die eine FSC zertifizierte Papierfabrik verlassen, auch das FSC Siegel tragen bzw. tragen dürfen. Hinzu kommt, dass es unterschiedliche FSC Siegel für unterschiedliche Qualitäten gibt, dass eine Papierfabrik nicht nur Holz aus FSC Wäldern verarbeitet und vieles mehr. Hier wird offensichtlich und mit sehr fragwürdigen Methoden, massiv Front gegen FSC gemacht.

Wir bedauern sehr, dass sich weder die Macher der Reportage, noch die Verantwortlichen in der Sendeanstalt darüber Gedanken zu machen scheinen, was ein solch einseitiger Beitrag beim Konsumenten anrichten kann. Der Verbraucher steht ab heute wieder vor den Regalen und ist aufgrund der einseitigen und in weiten Teilen falschen Wiedergaben von Fakten bzw. offensichtlichem Weglassen von Informationen, über das FSC Siegel System völlig verunsichert. 

Dass das FSC Siegel System nicht perfekt ist, sich weiter entwickeln muss und in sich noch genügend Potential für Verbesserungen findet, beispielsweise die angesprochene wirtschaftliche Abhängigkeit von Zertifizierer und zertifizierten Unternehmen, darüber haben wir in früheren Blogbeiträgen bereits berichtet. Auch sollten wir uns einig sein, dass Abholzung oder radikaler Kahlschlag im großen Stil nicht die geeigneten Mittel sind um unsere biologische Vielfalt zu erhalten bzw. dem Klimawandel wirksam entgegen zu treten. 

So zu tun, als sei ein ganzes Zertifizierungssystem schlecht und baue auf Raubbau an der Natur auf, nur weil zwei Reporter Abholzung beobachtet haben, dient niemandem. Leider wurde in der Reportage weder der nähere Ort des abgeholzten Waldes in Schweden genannt, noch der Nachweis erbracht, ob es sich hierbei tatsächlich um einen FSC zertifizierten Wald handelt. Es wurde auch mit keinem Wort darauf hingewiesen, dass in Papierfabriken Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft ebenso verarbeitet wird, wie nicht zertifizierte Hölzer. Und, so die Theorie, nur so viel FSC Produkte die Papierfabrik verlassen dürfen wie FSC Holz angenommen und verarbeitet wurde. Dies sind aber Fakten, die für die Meinungsbildung der Zuseher des Beitrags wichtig gewesen wären, wenn ein ganzes System öffentlich in Frage gestellt wird.

Das ein System, dass sich in der Tat intensiv und weltweit dafür einsetzt, dem illegalen Holzeinschlag Einhalt zu gebieten, dass im eigenen Verantwortungsbereich für faire und menschenwürdige Arbeitsbedingungen sorgt und das sich für die nachhaltige Waldwirtschaft einsetzt, so einseitig dargestellt wird, halten wir für wenig hilfreich und der Sache nicht förderlich. 

Wir fordern aber auch den FSC auf, die Vorwürfe ersthaft zu prüfen. Sollten sich Verstöße der Papierfabrik Stora Enso gegen die Kriterien und Vorschriften des FSC herausstellen dann muss dies mit Sanktionen bis hin zum Entzug des FSC Siegels führen.

Auch wir als natureOffice stehen mit vielen Aktivitäten immer wieder manch einem Skeptiker gegenüber. Wir erleben es in unserer täglichen Arbeit, dass zum Beispiel im Bereich des Klimaneutralen Druckens, schnell mit populistischen Halbwahrheiten gegen ein sinnvolles, nachhaltiges Engagement argumentiert wird. FSC, PEFC oder nachhaltiges Wirtschaften sind noch nicht der Weisheit letzter Schluss, aber es ist ein Anfang. Es ist der Beginn sich mit Dingen sinnvoll auseinander zu setzen, um langfristige Veränderungen herbei zu führen. Es hilft uns in keiner Weise weiter, aus reinem Populismus oder gar der Einschaltquote wegen, wertvolle und wichtige Initiativen in den Dreck zu ziehen und dort liegen zu lassen.

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